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Musik & Heimat

  • vor 12 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Heimat ist bei meiner Frau und mir immer mal wieder ein Thema, denn Eda kommt aus Estland. Ihr zu Hause ist in Deutschland, ihre Heimat wird immer Estland bleiben. Aber unser zu Hause - hier in einem für sie fremden Land - wird auch mehr und mehr zu einer zweiten Heimat für sie.


Meine Heimat ist hier. Das kleine, ländliche Osthessen, hier in unserer Region auch Waldhessen genannt. Ich bin in Bad Hersfeld geboren worden, bin elf Mal umgezogen, habe in den Niederlanden gewohnt, in Bochum, im Marburger Hinterland und bin dann wieder zurück gekommen.


Heute wohnen Eda und ich in der Gemeinde Hauneck und wenn es Euch interessiert, wie es hier in der Gegend aussieht, schaut gerne in dieses unspektakuläre Video hinein :-) Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, wie schön das hier ist, wenn im Sommer alles grün ist...



Worauf ich aber eigentlich hinaus will: Heimat wird heute wieder enger gedacht.

Als etwas, das man verteidigen muss. Als Grenze. Als Abgrenzung.


Die Musik erzählt diesbezüglich eine andere Geschichte.


Der Jazz entstand aus Bewegung: westafrikanische Rhythmustraditionen, kreolische Tanzformen der Karibik und europäische Harmonik trafen im 19. Jahrhundert in New Orleans aufeinander. Handel, Migration, Fluchtbewegungen – all das brachte Menschen und ihre Klangwelten an denselben Ort. Keine dieser Traditionen blieb unverändert. Und genau darin lag die Kraft.


Heimat entstand nicht trotz dieser Vermischung, sondern durch sie. All die Menschen, die heute die USA als ihre Heimat betrachten, kamen urspünglich aus den verschiedensten Winkeln der Welt dort hin und sind als Amerikaner zusammengewachsen.


Wenn ich heute zwischen Louisiana und dem baltischen Norden unterwegs bin, erlebe ich das immer wieder. Unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Vorstellungen, unterschiedliche Geschichte – und doch ein gemeinsamer Resonanzraum. Musik verbindet dort, wo politische Debatten oft trennen.


Improvisation funktioniert nur, wenn man einander Raum lässt, zuhört und wenn man akzeptiert, dass der eigene Ton Teil eines größeren Ganzen ist.


Kultur war nie statisch. Sie war immer in Bewegung.

Und Heimat wird nicht kleiner, wenn man sie teilt.


In meinen aktuellen Programmen geht es genau darum: um Klänge, die reisen, sich verändern und neue Räume öffnen. Zwischen Mississippi und Ostsee, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.


Heimat ist kein Ort, an dem man stehenbleibt.

Sie ist ein Weg, den man gemeinsam geht.

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