top of page

Wenn es still wird - Rückblick auf die Premiere von „Barometer der Freiheit”

vor 5 Stunden
2 Min. Lesezeit

Am Ende ging es um etwas ganz Einfaches: Würde der Abend tragen? Ich war mir am Nachmittag des Premierentages nicht ganz sicher. Wenn man Texte so oft liest, wie ich im Vorfeld, verblasst ihre Aussagekraft scheinbar.


Abends am 3. Oktober saß ich dann im ausverkauften Johann-Sebastian-Bach-Haus in meiner Heimatstadt Bad Hersfeld am Flügel. Wie es zu diesem Programm kam, habe ich hier erzählt. Jetzt war aus der Idee ein Abend geworden, und vor mir saßen Menschen, die sich darauf einlassen wollten.


Jan Luley am Flügel bei der Premiere von „Barometer der Freiheit" im Johann-Sebastian-Bach-Haus Bad Hersfeld, Foto: Steffen Sennewald

Die Stille


Ich habe rund 2800 Konzerte gespielt. Und doch beeindruckt mich eines jedes Mal wieder: wenn so viele Menschen gemeinsam still werden. Erwartungsvoll, aufmerksam, ohne Husten und Rascheln. Man hört dann den eigenen Atem, und man weiß: Jetzt ist es ernst. Jetzt bloß nicht nervös werden, bloß kein Händezittern und Rumstottern.


An diesem Abend war diese Stille besonders dicht. Das liegt natürlich im Programm begründet. „Barometer der Freiheit” ist keine leichte Berieselung. Zwischen den Stücken lese ich Texte von Duke Ellington, Martin Luther King Jr., Arvo Pärt, Michelle Obama, Barack Obama und Wynton Marsalis. Das verlangt einem als Zuhörer etwas ab — und die Menschen im Saal haben es gegeben.



Von außen nach innen und zurück


Der Abend beginnt mit der Frage, was Freiheit für eine Gesellschaft bedeutet. Er führt dann nach innen, zu Pärt und zur Stille. Und er kehrt wieder hinaus, zur Verantwortung, die Demokratie von jedem von uns verlangt.

Dazwischen spielte ich „Creole Love Call”, „Handful Of Keys” und Pärts „Ukuaru Valss” in meiner Bearbeitung. Dazu eigene Kompositionen wie „Jäätunud Hommik”, „The Dilemma” und „Pathway to Freedom”, auch „Martin’s Mambo” von Tom McDermott.


Besonders mochte ich den Moment mit Marsalis: improvisieren steht für Freiheit, swingen für Verantwortung, der Blues für Optimismus. Ein passender Vergleich. Das klingt nach Jazz. Und nach Demokratie.


Ein Publikum, das mitgeht


Was mich am meisten gefreut hat: Die Leute haben sich mitnehmen lassen. Man spürt als Solist schon sehr genau, ob einem ein Saal wirklich folgt oder nur distanziert zuschaut. An diesem Abend ist er mitgegangen. Gerade wenn ich solo spiele, ist die aufmerksame Energie des Publikums so unglaublich wichtig.

Das ist letztendlich die schönste Bestätigung, die es gibt.


Armstrong zum Schluss


Als Zugabe spielte ich „What A Wonderful World”, mit einer Moderation nach Louis Armstrongs berühmter eigener Aussage zu diesem Lied. Sinngemäß: Die Welt ist wunderbar, nur was wir daraus machen ist fürchterlich. Dieses Zitat finde ich so stark und so wahr, dass es ein passender Abschluss der Abends war und uns nochmal in die Gegenwart holte. Es war noch einmal ein berührender Moment für alle im Saal — mich eingeschlossen.


Ellington hatte recht. Und manchmal, wenn man lange genug zuhört, versteht man das auch ohne Erklärung.


Danke


Mein Dank gilt dem Arbeitskreis für Musik e.V. für die Kooperation und das Vertrauen. Ohne ihn hätte es diesen Abend nicht gegeben. Danke auch an Steffen Sennewald für die Fotos in diesem Beitrag und an Eda Luley für die Kamera beim Mitschnitt.


Aus dem Mitschnitt habe ich einen 13-minütigen Trailer geschnitten...



Und jetzt?


Das Thema bleibt, und das Programm soll weiterleben. Alle Termine finden Sie auf www.janluley.de.

Wenn Sie „Barometer der Freiheit” in Ihre Stadt, Ihren Verein oder Ihre Einrichtung holen möchten, schreiben Sie mir an info@luleymusic.de. Und wenn Sie nichts verpassen wollen, abonnieren Sie den Newsletter.


Herzliche Grooves,

Jan

 
 
bottom of page