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Jäätunud Hommik (Klaviernoten) — wie ein eisiger Morgen an der Ostsee zu meiner neuen Komposition wurde

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Jäätunud Hommik – Klaviernoten von Jan Luley, Eisschollen an der zugefrorenen Ostsee

Es gibt Momente, die sich einfach nicht abschütteln lassen, egal wie kalt einem dabei war. Dieser hier: ein Februarmorgen an der estnischen Küste, die Sonne nur kanpp über dem Horizont, die Temperatur dafür deutlich unter meinem persönlichen Wohlfühlhorizont — irgendwo bei minus 20 Grad.


Seit vielen Jahren reise ich regelmäßig mit meiner Frau in ihre Heimat Estland. Ein Land, das mich immer wieder überrascht: gleichermaßen modern und tief in seinen Traditionen verwurzelt, mit einer üppigen Natur, einer überraschend vielfältigen musikalischen Szene und einer bewegten Geschichte. Aber an diesem einen Morgen zählte davon erst einmal gar nichts. Es war einfach nur kalt.


Die Ostsee — auf Estnisch heißt sie Läänemeri, „Westsee" — war zugefroren. Am Ufer türmten sich Eisschollen, meterhoch, wie hingeworfen. Die Sonne stand kaum über dem Horizont, mehr ein Versprechen als eine Wärmequelle. Und die Luft war erfüllt von diesem Geräusch, das man erst dort wirklich versteht: das leise, fast unheimliche Knistern und Knirschen von Eis, das sich unter dem eigenen Gewicht bewegt.


Ehrlich gesagt: Ich wollte in diesem Moment vor allem eines — so schnell wie möglich zurück ins warme Bett. Kein romantischer Gedanke an Musik, kein „das muss ich festhalten". Nur kalte Füße und die Frage, warum ich mich freiwillig um diese Uhrzeit an einen zugefrorenen Strand stelle.


Jäätunud Hommik – Klaviernoten von Jan Luley, Eisschollen an der zugefrorenen Ostsee

Und trotzdem: Es war eines dieser Bilder, die sich einfach festsetzen. Die Weite, die Stille, die kaum wahrnehmbare Bewegung des Eises — etwas davon blieb hängen, lange nachdem die Füße wieder aufgetaut waren. Einige Wochen später, zurück am Klavier, versuchte ich, dieser Stimmung nachzuspüren. Nicht die Kälte an sich, sondern das Licht, die Ruhe und diese leise Unruhe darunter — das Gefühl, dass unter der scheinbaren Stille etwas in Bewegung ist.


So sind die Klaviernoten von Jäätunud Hommik (Icy Morning) entstanden: ein Stück, das sich harmonisch in kühlen Maj7- und Lydisch-Klangfarben bewegt, getragen von einem ruhigen Ostinato in der linken Hand — fast wie das gleichmäßige Knirschen des Eises selbst. Wer mag, kann sich am Ende über einen kurzen Improvisationsteil hinaus vom Notentext lösen und die Stimmung selbst weiterspinnen.


Jäätunud Hommik – Klaviernoten von Jan Luley, Eisschollen an der zugefrorenen Ostsee

Das Stück ist als Einzelausgabe der Piano Works Series erschienen, für fortgeschrittene Spieler, Schwierigkeitsgrad 3–4 von 6. Es steht damit neben Mama Madeleine, Crossroads und Louisiana Café — nur eben mit einem deutlich kühleren Klima im Titel.


Ich hoffe, dass Ihr beim Spielen ein wenig von dieser Stimmung zu fassen bekommt. Und vielleicht habt Ihr ja irgendwann selbst die Gelegenheit, an einem ähnlichen Morgen auf eine gefrorene Ostsee zu schauen — im Idealfall mit wärmeren Schuhen, als ich sie anhatte.


Die Noten zu Jäätunud Hommik gibt es ab sofort in gedruckter Form und ebenso als PDF-Download im Shop.


Herzliche Grooves,

Jan Luley

 
 
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