800 Abende, alle Konzertorte in Deutschland und viele Geschichten
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Ein Blick zurück auf zehn Jahre Konzertleben — in Zahlen, Punkten und ein paar Gedanken am Klavier
Was passiert, wenn man mal alle Konzertdaten der letzten gut zehn Jahre zusammenwirft, in eine Karte überträgt, die alle Konzertorte in Deutschland zeigt und dann genau hinschaut? Ich habe es ausprobiert — und war selbst überrascht.
Das Ergebnis: Über 820 Konzertabende zwischen 2015 und heute (nur öffentliche Konzerte, ohne Business-Events und Privatkonzerte), verteilt auf mehr als 180 Städte in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Estland, den Niederlanden, Spanien und Israel. Rote Punkte auf einer Karte, die zeigen, wo Musik war. Manche hell und zart — einmal dort gewesen. Manche so dunkelrot, dass man sie fast als zweiten Wohnsitz bezeichnen könnte.
(mit Klick auf die Bilder gelangt Ihr zur interaktiven Version)
Konzertorte in Deutschland - Die Karte lügt nicht
Der mit Abstand größte, dunkelste Punkt liegt bei Bad Hersfeld. 48 Konzertabende allein hier, in der Stadt, in der ich geboren wurde und wieder seit Jahren lebe und arbeite — das Buchcafé, das Bach-Haus, die Stadtkirche, der Stiftsbezirk. Das ist keine Überraschung, aber es ist schön, es schwarz auf weiß (oder Rot auf Beige) zu sehen.
Dahinter folgen Marburg, Frankfurt, Wetzlar. Das Dreieck Hessen-Mitte, das mich seit vielen Jahren begleitet: Waggonhalle, Pianohaus KDH, Wetzlarer Festspiele. Orte, die nicht nur Auftrittsorte sind, sondern echte musikalische Heimaten.
Was mich wirklich überrascht hat: Wie gleichmäßig sich die Punkte über ganz Deutschland verteilen. Von Heringsdorf auf Usedom bis Waldshut-Tiengen am Hochrhein, von Kleve am Niederrhein bis Kunnersdorf bei Görlitz — da kommen schon ein paar Kilometer zusammen. Deutlich wird auch, dass ich in den "neuen" Bundesländern ziemlich selten bin. Warum eigentlich? Wird dort Klaviermusik weniger geschätzt?
Die fehlenden Jahre
Wer die Jahresstatistik betrachtet, sieht sofort den Einbruch: 2020 und 2021. Aus durchschnittlich 70–80 Auftritten pro Jahr wurden plötzlich 9 — und die meisten davon im Herbst 2020, in den wenigen Wochen, in denen kurz wieder etwas möglich war.
Ich erinnere mich gut an diese Zeit. Nicht nur als wirtschaftliche Delle, sondern als echten Verlust. Konzerte sind für mich keine Dienstleistung, die man auch mal pausieren kann. Sie sind der Grund, warum ich Klavier spiele. Die Stille auf Bühnen, die ich seit Jahren kannte, war eine der seltsamsten Erfahrungen dieser ganzen Periode.
Auf der anderen Seite waren da die Streamingkonzerte aus meinem Studio heraus. Neue Onlinefreundschaften, die auf Twitch geschlossen wurden. Über 300 Konzerte im Internet, anfänglich drei pro Woche. Und unser lieber Nachbar, der zu jedem Onlinekonzert Cocktails rüberbrachte.
2022 kam endlich die Rückkehr — und mit ihr das Gefühl, wieder ankommen zu dürfen.
Aus 2015 lagen leider nur noch die Konzertdaten aus der zweiten Jahreshälfte Daten vor, deshalb ist der Balken unrepräsentativ klein geraten...

Jenseits der Grenze
Wer auf die Europakarte schaut, entdeckt noch eine andere Geschichte: die der Reisen.
Die Schweiz ist mit Abstand das meistbespielte Ausland — Ascona beim Jazz-Festival, Davos, Tschiertschen, Sargans, Zofingen, Luzern. Das Schweizer Publikum und ich, das ist eine lange, herzliche Beziehung. Dazu kommen die Jazzcruises auf Rhein und Rhône, die mich jedes Jahr für ein paar Tage auf das Wasser bringen — und die in der Statistik als eigene Punkte auftauchen.
Und dann ist da Estland, die Heimat meiner Frau. Pärnu, Holdre, Muhu Island — das Baltikum als musikalische Herzensangelegenheit, die in meinem Programm Baltic Blues eine ganz eigene künstlerische Heimat gefunden hat. Dass 2025 gleich drei Konzerte dort stattfanden, macht mich besonders froh. 2026 werden es auch wieder einige sein.
Tel Aviv 2024, beim New Orleans Jazz Festival — ein Punkt ganz im Südosten der Karte, fast schon am Rand des Bildes. Fünf Abende, eine andere Welt, ein unvergessliches Erlebnis.
Was diese Zahlen bedeuten — und was nicht
820 Konzertabende klingt viel. Und ja, es ist viel. Aber was mich bei dieser Auswertung wirklich bewegt hat, ist nicht die schiere Menge — sondern die Dichte der Verbindungen dahinter.
Hinter jedem Punkt steckt ein Veranstalter, der netter Weise auf unsere zigfachen Emails und Anrufe irgendwann reagiert hat. Ein Publikum, das gekommen ist. Ein Flügel, der gestimmt war — oder auch mal nicht. Ein Abend, an dem alles zusammengepasst hat, und manchmal einer, an dem man auch mit weniger optimaler Situation auf der Bühne alles gegeben hat.
Musik auf Tour zu machen bedeutet, immer wieder neu anzukommen. In neuen Städten, vor neuen Menschen, mit immer wieder neuen Konzertprogrammen — jedes Mal neu, jedes Mal ein bisschen anders. Das ist das Schöne daran. Und es ist der Grund, warum der nächste Punkt auf der Karte genauso wichtig ist wie der erste.
Und jetzt?
2026 ist bereits gut gefüllt — die aktuelle Konzert-Übersicht zeigt, wohin die Reise in den nächsten Monaten geht. Wer mich in seiner Stadt noch nicht erlebt hat: Die Karte hat noch weiße Stellen. Die lassen sich füllen.
Anfragen für Konzerte, Festivals und besondere Anlässe gehen wie immer an info@luleys.de — ich freue mich.
Herzliche Grooves,
Euer Jan
Die interaktiven Karten und Statistiken in diesem Beitrag basieren auf den Konzertdaten von janluley.de/live und den Archivseiten Juni 2015 bis Dezember 2025.






