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Ein Abend, der bleibt – Walter Renneisen und die Barrelhouse Jazzband in der Alten Oper Frankfurt

  • vor 16 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Es gibt Konzertabende, die man einfach macht. Man spielt, das Publikum applaudiert, man fährt nach Hause. Und dann gibt es Abende, die sich anders anfühlen – die noch tagelang in einem nachklingen, nicht wegen eines besonders gelungenen Solos oder eines vollen Saals, sondern wegen der Menschen, mit denen man sie teilt.


Der 21. Februar 2026 war so ein Abend – als Walter Renneisen und die Barrelhouse Jazzband gemeinsam die Bühne der Alten Oper Frankfurt bespielten.


Musiker stehen mit zwei Kontrabässen auf einer Bühne
Die Barrelhouse Jazzband mit Walter Renneisen (2. von links) nach dem Konzert auf der Bühne der Alten Oper Frankfurt

Die Barrelhouse Jazzband war eingeladen, im Mozart Saal der Alten Oper Frankfurt aufzutreten – einem dieser Häuser, in dem Geschichte buchstäblich in den Wänden steckt. Das Programm hieß „Deutschland Dein Frankfurterisch", und der Abend drehte sich um Sprache, Mundart, Heimat. Und um einen Mann, der all das verkörpert wie kaum ein anderer: Walter Renneisen.


Ich kannte seinen Namen. Aber ich war nicht vorbereitet auf das, was dieser Abend werden würde.

Walter Renneisen ist Grimme-Preisträger, ausgezeichnet mit dem Rheingau Musik Preis, Jahrzehnte auf den Bühnen dieser Republik – und dabei so geerdet, so präsent, so unprätentiös, dass man vergisst, mit wem man da eigentlich auf der Bühne steht. Er rezitiert Goethe mit Hessisch-Färbung, zitiert Friedrich Stolze und Robert Gernhardt, greift zwischendurch zu Trompete, Gitarre oder Kontrabass, spielt auf einem echten Kuhhorn – und das alles mit einer Leichtigkeit, die man sich in fast sechs Jahrzehnten Bühnenerfahrung offenbar erspielt hat.


Was mich an solchen Menschen fasziniert: Sie haben nichts mehr zu beweisen. Und genau deshalb ist alles, was sie tun, echt.ch an solchen Menschen fasziniert: Sie haben nichts mehr zu beweisen. Und genau deshalb ist alles, was sie tun, echt.


Ein Mann sitzt gestikulierend auf einer Bühne, während andere drumherum stehen und zuhören.
Ablaufbesprechung vor dem Konzert, wir lauschen alle ganz gespannt

Für die Barrelhouse Jazzband war es ein besonderer Abend. Wir existieren seit 1953 – das sind inzwischen über sieben Jahrzehnte Jazz, Swing, Bühne. Und trotzdem: In der Alten Oper Frankfurt, neben einem wie Renneisen, spürte ich wieder diese Aufregung, die ich als junger Musiker kannte. Das Gefühl, dass etwas Größeres entsteht als die Summe seiner Teile.

Frankfurterisch als Bühnensprache ist zunächst eine lokale Angelegenheit. Aber Renneisen macht daraus etwas Universelles. Er zeigt, dass Mundart keine Einschränkung ist, sondern ein Resonanzraum. Dass das Regionale oft das Ehrlichste ist. Und der Jazz – unser Jazz – hat dieselbe Qualität: Er kommt aus einem ganz konkreten Ort, aus New Orleans, aus dem Keller, aus der Straße, und landet trotzdem überall auf der Welt.


Nach dem Konzert standen wir zusammen auf der Bühne für ein paar Fotos. Renneisen, die Band, das Licht noch warm vom Abend. Ich habe in solchen Momenten gelernt: nicht zu viel reden. Einfach da sein. Spüren, was gerade war.


Was war? Ein Abend, der bleibt.


Die Barrelhouse Jazzband ist seit 1953 das Aushängeschild des deutschen traditionellen Jazz und die zweitälteste Jazzband in Europa. Mehr Infos zu Konzerten und Projekten unter www.barrelhouse-jazzband.de

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